Ein Stück über unsere Verhältnisse
Es herrscht absolute Chancengleichheit: »Jeder hat das Recht auf eine seine Fähigkeiten
und Neigungen entsprechende Bildung und Erziehung ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage.« So sagt es das Schulgesetz. So weit die Regel Nr. 1 in unserem Gesellschaftsspiel. CASINO REAL - Kann jeder alles gewinnen und alles werden? Um etwas über die realen Spielregeln unserer Verhältnisse herausfinden, setzt sich Werkgruppe 1 die Soziologenbrille auf und versucht in Zusammenarbeit mit SchülerInnen in Niedersachsen und Sachsen Antworten auf die Fragen zu finden, nach welchen und nach wessen Regeln eigentlich gespielt wird, wie wichtig das Glücksprinzip im Spiel des Lebens ist, warum fast alle Chefs in Deutschland selbst einen Chef zum Vater haben und was die Debatte um Gymnasien mit dem deutschen Reinheitsgebot zu tun hat. Ein Stück mit großer Elternhauslotterie, dem Soziologen Pierre Bourdieu und 250 Hula Hoop Reifen. Ein Abend für Erwachsene und Jugendliche.

Spieltermine
Premiere am Fr, 05.03.2010 um 20:00 Uhr im Lofft.Leipzigweitere Spielorte Theaterhaus Hildesheim
Performance Thorsten Bihegue, Eva Plischke
Video, Performance Anke Dyes
Bühne, Kostüm, Produktion Judith Kästner
Dramaturgie, Produktion Dorle Trachternach
Darsteller im Video Michael Biene, Bart Haupt, Annette Ißmer
Vielen Dank an die 10. Klasse der Schule am Adler; der 9. Klasse der Hauptschule Alter Markt Hildesheim, der 10. Klasse der Neuen Nikolaischule Leipzig, Andy Gaedt, Herrn Bröckling, Fabian Reimann
Presseauszüge
Morgens, halb acht in Deutschland: Sag mir, was du isst, und ich sage
dir, wer du bist. Kevin ist 17 und begnügt sich mit der Zigarette,
die er sich lässig ansteckt. »Ich ess nie was vor
zwei«, sagt er, fläzt sich gegen den Balkon der
Sozialwohnung – und sowohl seine Klamotten als auch seine dunkle
Hautfarbe scheinen soziologische Bände zu sprechen. Schnitt: jetzt
hockt derselbe junge Mann in einer kleinbürgerlichen
Einbauküche, lächelt folgsam und bekommt von der pausenlos
schwatzenden Mutter ein Nutella-Brot geschmiert. So geht es weiter.
(...) Schon dieser kleine Einspielfilm ist ein satirisches
Meisterstück und zugleich eine ungemein treffende Beobachtung
bundesdeutscher Wirklichkeit. Die WERKGRUPPE 1 zeigt im Theaterhaus mit
»Casino Real« ein »Stück über unsere
Verhältnisse«. In hellsichtigen Windungen dreht sich dabei
alles um die Chancengleichheit, die unser Bildungsgesetz in hehren
Worten verspricht: »Jeder hat das recht auf eine seinen
Fähigkeiten und Neigungen entsprechende Bildung und Erziehung ohne
Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage«. Wir
wissen, die Realität sieht anders aus. (...) Zusammen mit Thorsten
Bihegue absolviert Eva Plischke ein szenisches Leistungsspiel, das im
Hintergrund unaufdringlich von Anke Dyes als Moderatorin und
Schiedsrichterin geleitet wird. Denn Bildung bedeutet Wettbewerb. 250
Hula-Hoop-Reifen dienen als Requisiten, müssen in manischer Eile
aufgefangen, aufgesammelt und natürlich als Siegpunkte um den
Körper geschwungen werden. (...) Erhellend und unbedingt
empfehlenswert ist dieses äußerst differenzierte,
äußerst komische Dokumentartheater ohne
Altersbeschränkung. Die Macher dieser Produktion sind alte
bekannte der freien Hildesheimer Theaterszene – und sie ziehen
mit unaffektiertem Charme, bodenständiger Lässigkeit und
durchdringender Intelligenz sämtliche Register. Man sollte den
Abend aus mehreren Gründen nicht verpassen: weil man zum Beispiel
erlebt haben muss, wie Thorsten Bihegue einen Lehrer mitten im
Nervenzusammenbruch gibt (...) Vor allem aber, weil man hier daran
erinnert werden kann, welch profunde Möglichkeiten das Theater
haben kann, schlicht und einfach die Wahrheit zu sagen.
(aus: Doch die Verhältnisse – sie sind nicht so? Im
Theaterhaus macht die »Werkgruppe 1« aus deutschem
Bildungsdilemma grandioses Dokumentartheater Hiaz vom 24.4.2010)
Gefördert durch
Land Niedersachsen
Stiftung Niedersachsen
Stadt Leipzig





